Die Cousine der Gebrüder Bone war bereits als Kind ein Gesangsstar. Leider wusste das niemand. So war sie verdammt, sich als Rasenbrödel und Heckenschneiderin zu verdingen.

Für ihre musikalischen Verwandten zeigte Lady Bone weder Interesse noch Bewunderung. Bei aller Missachtung gab es allerdings einen punktuellen Kontakt in diese Richtung, nämlich zu Drum Bone.
Von einem gemeinsamen Bekannten, Erich Kasamba, hatte sie erfahren, dass Drum Bone sehr niedergeschlagen sei. Das war in den Tagen nach seiner gescheiterten Aufnahmeprüfung am Shakesbeer Theater. Kasamba war der Meinung, hier müsse etwas geschehen, um das Schlimmste zu verhindern. Wenngleich genervt nahm Lady Bone schließlich das Telefon in die Hand. Es kam zu dem Telefonat, welches Drum Bone bis heute den Urknall seiner persönlichen Musikgeschichte nennt: Auf ihr kurzes „Hallo, wie geht’s” antwortete Drum Bone, indem er seine Situation schilderte. In gut zweieinhalb Stunden offenbarte er Lady Bone in groben Zügen die Ignoranz der Aufnahme-Komission im Shakesbeer-Theater, die Arroganz unfähiger Künstleragenturen und die abnehmende Qualität in der Obstabteilung bei Edeka. Lady Bone fand darauf eine kluge Antwort, die ihm ob ihrer Heilsamkeit noch heute Wort  für Wort im Gedächtnis sitzt: „Na und? Puh!”

Von dem sogleich erstarkten Drum Bone und seinen Gebrüdern sollte sie danach für Jahrzehnte nichts mehr hören. Erst, als die Jungs ihre Familiencombo gegründet und auf adäquates musikalisches Niveau gebracht hatten, trauten sie sich, wieder mit Lady Bone in Kontakt zu treten.

Nur einmal wären sich Chris Lee Bone und Lady Bone fast begegnet, als dieser beim Domchor das Melaphon spielte. Die Lady hatte sich dort als Notenwart beworben. Am Tag des Vorstellungsgesprächs war Chris Lee allerdings bei einem Auswärtsspiel in Bad Breisig. Am Tag darauf bekam sie die Absage.